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Makrofotografie

   
  1. Richtlinien zur Fotografie in Österreich des BDA
  2. Richtlinien zu Fotografie in Südtirol der Bodendenkmalpflege
  3. Die speziellen Anforderungen der Archäologien an die Makrofotografie
  4. Begrifferklärungen
    1. Was ist RAW
    2. Was ist TIFF
    3. Was ist der Unterschied zwischen Spiegelreflex- und Systemkameras
    4. Was bedeutet 5 oder 12 Megapixel
    5. Was sind DPI
    6. Was ist Schärfentiefe oder Tiefenschärfe
  5. Hardware für die Makrofotografie
    1. Kamera
    2. Objektiv
    3. Licht
    4. Stativ
    5. Unterlagen
    6. Computer
    7. saubere Umgebung
    8. Kameraschine
  6. Die wichtigsten Parameter an der Kamera
    1. Belichtungszeit
    2. ISO-Wert
    3. Weißabgleich
    4. Blende
  7. Aufbau und Durchführung
  8. Fazit

 

 1.  Richtlinien zur Fotografie in Österreich des BDA

Grundsätzlich ist als Mindeststandard eine handelsübliche Spiegelreflex- oder Systemkamera mit einem adäquaten Objektiv, entsprechendem Sensor und einer hohen Bildauflösung zu verwenden.

Normale Digitalaufnahmen müssen im JPEG-Format (JFIF) mit einer Mindestgröße von 5 Megapixel erfolgen. Beim Überspielen ist darauf zu achten, dass die höchste Qualität = niedrigste Komprimierungsstufe eingestellt ist. Besonders qualitätvolle, für Publikationen gedachte Aufnahmen müssen im kameraeigenen RAW-Format aufgenommen und später zu TIFF (RGB) konvertiert werden.
(Richtlinien für archäologische Massnahmen 3. Fassung – 1. Jänner 2014, S.21)

 

2. Richtlinien zu Fotografie in Südtirol der Bodendenkmalpflege

 Südtirol bestimmt die Sensorgröße (größer als bei Kompaktkameras, Spiegelreflex und Systemkameras reichen), die Auflösung (mindestens 12MP) und das Format (jpg in bester Auflösung und RAW, immer beides).

 

3. Die speziellen Anforderungen der Archäologien an die Makrofotografie

Die Arbeit wird dadurch einfacher, dass die Objekte sich nicht bewegen und man sie in kontrollierter Umgebung in Ruhe fotografieren kann, schwieriger jedoch durch die geforderte Schärfentiefe und durch Schatten.

  • Es sollen kleinste und kleine Objekte fotografiert werden, dazu muss man so nahe an das Objekt heran, dass es bildfüllend dargestellt wird.
  • Das Bild soll überall maximale Schärfe aufweisen (Schärfentiefe).
  • Die Verzerrungen (an den Rändern) sollen minimal sein.
  • Das gesamte Bild soll gleichmäßig beleuchtet sein.
  • Es sollten möglichst keine Schatten vorkommen.
  • Die Lichtfarbe muss über Lichtquellen oder über die Kamera so gewählt werden, dass die Farben des zu fotografierenden Objektes dem des Bildes entsprechen.
  • Die Vorgaben der Auftraggeber müssen erfüllt sein.
  • ein Maßstab sollte immer im Bild liegen.

 

4. Begrifferklärungen

4.1 Was ist RAW

RAW ist ein Rohdatenformat für Bilder von Kameras, um die maximale Information über ein Bild bereit zu stellen.
Alle System- und Spiegelreflexkameras können RAW erstellen, aber auch einige Kompaktkameras.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rohdatenformat_ (Fotografie)
Vorteile:
Das Bild wird mit der maximalen Bildinformation gespeichert, die die entsprechende Kamera vermag. JPEG komprimiert die Bilder, indem für unser Sehapparat unwesentliche Informationen entfernt werden, um eine möglichst kleine Datei zu ergeben, deshalb sind RAW Dateien auch mindestens doppelt so groß wie die entsprechende JPEG- Dateien.
Nachteile:
Sehr große Dateien
Es gibt keinen kameraübergreifenden Standard, eventuell kann ein Programm die Bilder von einer Kamera lesen und von einem anderen Modell nicht.
Die Bildbearbeitung erfordert einen stärkeren Rechner und spezielle Programme.

4.2 Was ist TIFF

TIFF ist ein Bildformat, das eine größere Farbtiefe (mehr Farb-, mehr Helligkeitsstufen) ermöglicht und verlustfrei arbeitet (keine Bildteile löscht oder vereinfacht) wie jpg, weil es einen allgemeinen TIFF-Standard gibt, ist es besser zur Speicherung von Bildern geeignet wie die RAW-Dateien.
TIFF-RGB bedeutet, dass TIFF das Rot Grün und Blau- Farbmodell benützen soll, es gibt nämlich auch Andere, wie CMYK (basiert auf Cyan Magenta, Yellow und Schwarz), dies interessiert uns aber hier nicht weiter.

 

4.3 Was ist der Unterschied zwischen Spiegelreflex- und Systemkameras

Systemkameras vereinen den Vorteil von Spiegelreflexkameras und Kompaktkameras. Die Objektive können gewechselt werden und der Sensor und Bildprozessor ist von den Spiegelreflexkameras übernommen. Es fehlt aber der Spiegelkasten, der das Licht zum Sensor durchlässt. Weil dieser konstruktionsbedingt mechanisch funktioniert, kann eine Spiegelreflexkamera meist nur weniger wie 10 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Kürzlich (2015) hat Sony eine Sensoreinheit für Systemkameras vorgestellt, die 960 Bilder pro Sekunde erstellen können soll. Ein weiterer Vorteil ist die kompaktere Bauweise. Es ist zu vermuten, dass Systemkameras in Zukunft einen großen Teil des höherpreisigen Kameramarktes kannibalisieren werden.

 

4.4 Was bedeutet 5 oder 12 Megapixel

Interpretiert man jeden Punkt in einem Bild als Feld eines Schachbrettes mit verschiedenen Farben, dann wäre die Anzahl der einzelnen Felder 5.000.000. Weil sich das Seitenverhältnis der Bilder seit dem Analogzeitalter nicht geändert hat, ist bei den meisten Kameras das Seitenverhältnis 3:4, in unserem Fall hat also das Bild 2592 Pixel mal 1944 Pixel. 12MP bedeutet dementsprechend 4000 Pixel mal 3000 Pixel.

 

4.5 Was sind DPI

Weil die Erfahrung zeigt, dass der Begriff DPI oft falsch verstanden wird, wird er hier erklärt.
Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet „Dots Per Inch“, bezeichnet folglich die Anzahl der Pixel in einem Quadratzoll. Ein Bild mit 5 MP kann 1 dpi haben oder auch 10.000.000 dpi, abhängig davon, wie groß es dargestellt werden soll. Hat das 5 MP Bild 1 dpi, dann wäre eine Fläche von 2592 mal 1944 Zoll nötig, um es vollständig anzuzeigen, hat es hingegen 10.000.000 dpi, dann ist es kleiner als 1 Zoll. Nicht nur im Druck kann man DPI bestimmen, anschaulicher wird es, wenn man sich vorstellt, dass moderne Smartphones die Auflösung von „full HD“ (1920x1024 Pixel) schon überschreiten und nur 5 Zoll groß sind und andererseits Fernseher mit einer Diagonale von über 2 Metern auch nur diese Auflösung haben. Das Smartphone hat dieselbe Auflösung, aber mehr DPI.

 

4.6 Was ist Schärfentiefe oder Tiefenschärfe

Diese zwei Begriffe bedeuten dasselbe, obwohl Schärfentiefe der richtigere Ausdruck ist. Fast alle Fotos haben Bereiche, in denen sie scharf sind und andere Bereiche, in denen sie unscharf sind. Reine Lochkameras haben keine unscharfen Bereiche, linsengestützte Kamerasysteme hingegen schon. Besonders im Makrobereich ist das ein wichtiger Parameter, denn ist das Objektiv nur wenige Zentimeter vom Objektiv entfernt, beträgt die Schärfentiefe nur mehr Millimeter. Ergo werden flache Gegenstände wie Münzen, die nicht genau senkrecht fotografiert werden, in Teilen unscharf sein oder Objekte mit einer gewissen Höhe wie Fibeln sind nur in Teilen scharf. Viele nützen das als Stilelement, um den Fokus auf ganz bestimmte Dinge zu lenken. In der Archäologie wollen wir aber eine maximale Schärfentiefe. Diese kann durch mehrere Parameter beeinflusst werden:
Entfernung zum Objekt: je größer die Distanz, desto größer die Schärfentiefe, weil wir sehr nahe heran müssen, ist das keine Option.
Wahl des Objektives: ein Objektiv mit kurzer Brennweite hat mehr Schärfentiefe wie eines mit einer langen Brennweite (Tele). Dies interessiert uns kaum, denn ob man mit einem Makroobjektiv mit kurzer Brennweite nahe heran geht oder mit eine Makroobjektiv mit langer Brennweite von größerer Distanz fotografiert, ändert kaum etwas an der Schärfentiefe, weil sich die Parameter annähernd aufheben.
Sensorgröße: Je kleiner der Sensor der Kamera ist, desto größer die Schärfentiefe, so gesehen ist die D600 mit ihrem großen Sensor dafür nicht geeignet. Es ist wesentlich einfacher mit einer Kompaktkamera alle Bereiche in einem Bild scharf zu kriegen, wie mit einer Vollformatkamera.
Blendenöffnung: je kleiner die Blende ist, also je weniger Licht sie durchlässt, desto größer ist die Schärfentiefe. Deshalb ist er der einzige für uns relevante Parameter. Doch soll man wenn möglich abwägen, wie klein die Blende sein soll, denn wird sie zu klein (es variiert bei den verschiedenen Objektiven) wird ein anderer Faktor immer wichtiger: die Beugungsunschärfe. Diese mindert die Schärfe des gesamten Bildes durch Reflexionen des Lichts im Objektiv und je weniger Licht durchkommt, umso stärker kommt sie zum tragen. Die Blende sollte also so groß wie möglich sein und so klein, dass alle Bereiche möglichst scharf sind.
Ist es trotzdem nicht möglich, das gesamte Objekt scharf abzubilden, gibt es Möglichkeiten mithilfe mehrerer Bilder und Software, das ist aber ein anderes Thema.

 

5 Hardware für die Makrofotografie

 

  Von Links nach Rechts:
Ringblitz, Kameraschiene, Schnellwechselplatte, 3 Makroringe, Balgengerät (das wird an anderer Stelle noch besprochen werden)

 5.1 Kamera

Firmenintern haben wir uns für Nikon entschieden. Testreihen konnten ich mit der Nikon D5000, Nikon D90 und Nikon D600 machen. Die D5000 und D90 sind gute Arbeitstiere, robust und zuverlässig, ideal für Baustellen, beide sind DX Kameras (Sensorgröße: 23,6mmx15,8mm), also mit kleinerem Sensor wie die D600 (Vollformat = Der Sensor ist so groß, wie das Negativ aus der Analogfotografie, auch FX genannt = 36mmx24mm) ausgestattet, beide machen Bilder mit maximal 12MP (4000x3000 Pixel). Die D600, mit der ich hier die meisten Fotos gemacht habe, schafft das Doppelte.

 

5.2 Objektiv

Tamron SP AF 60mm F/2.0 DI II Macro DX
Dieses Makro hat eine geringe Brennweite und einen Minimalabstand von 23cm zum Objekt. Es ist nicht das schärfste und beste Objektiv für Nikon, aber es macht seinen Dienst. Es funktioniert auch an FX Kameras, die D600 erkennt automatisch, dass es ein DX Objektiv ist, trotzdem ändert sich etwas. Das Thema „Crop-Factor“ wurde im Internet schon zur Genüge diskutiert, deshalb erwähne ich es nur kurz:
Wenn an einer FX Kamera ein DX Objektiv hängt, wird dadurch, dass nur der innere Teil des Sensors beleuchtet wird und der Rest im Dunkeln liegt, das Bild von der Auflösung her kleiner. Das hat bei der D600 zur Folge:
-dass nur 10MP Bilder entstehen, weil der Rest nicht ausgeleuchtet wird
-es gibt eine Brennweitenverlängerung, dadurch ist das Objekt 1,5 mal größer dargestellt.
Auch wenn manche Internetforen mir widersprechen werden: DX auf FX ist nie eine gute Idee.

SIGMA DG 28-300mm 1:3.5-6.3
Dieses Objektiv ist für FX gemacht, hat relativ schlechte Lichtwerte (verwackelt bei schlechten Lichtverhältnissen leicht) und einen großen Zoombereich, nebenbei soll es auch noch ein Makro und sehr günstig sein. Der Haken daran ist, dass die Bilder nicht scharf genug werden, besonders im Zoombereich ab 200mm. Außerdem sind die automatischen Helligkeitseinstellungen nicht brauchbar (zu hell). Das Objektiv arbeitet verlässlich, der Autofokus ist leise und schnell, Gewicht und Abmessungen sind gering. Als Reiseobjektiv ist es wegen des Gewichtes und des schnellen Autofokus geeignet, nicht so sehr für Makrofotografie. Passt man Helligkeit und Kontrast mit Grafikprogrammen an, werden die Bilder brauchbar, aber bezüglich Schärfe kann das Objektiv zB. dem Tamron 60mm oder dem Nikkor 50mm nicht das Wasser reichen.

Beide Bilder sind unbearbeitet und stellen einen Ausschnitt von rechs oben dar.
Nikon D600, Nikkor AF-S 50mm 1:1.4G, ISO: 200, f/7.1, 1/200 Sek., ohne Blitz Nikon D600, SIGMA DG 28-300mm 1:3.5-6.3, ISO: 180, f/8, 1/250 Sek., ohne Blitz  

 

Nikkor AF-S 50mm 1:1.4G mit Makroringe


  Dieses Objektiv ist sehr scharf, schnell im Autofokus, leise und sehr lichtstark, Es hat nur Fixbrennweite, zoomen geht also nicht, wie übrigens bei allen seriösen Makroobjektiven. Eigentlich ist dieses Objektiv für alle FX-Nikon Kamerabesitzer nach meiner Meinung ein Muss. Es kostet nicht viel, ist sehr klein, leicht und zeigt, was eine Vollformatkamera wirklich kann. Für Portraits und Aufnahmen in lichtschwachen Orten ist es sehr zu empfehlen, aber Makro ist es keines, weil der Mindestabstand 0,45m beträgt, damit kann man höchstens Artefakte bildfüllend fotografieren, die größer wie DIN A4 sind.
Aber Makroringen ändern das. Ein Set von 3 Ringen zu 12mm, 20mm und 36mm kostet in etwa 50€. Die Ringe werden zwischen das Objektiv und der Kamera wie ein Objektiv angebracht. Die Ringe selbst haben keine Linsenelemente, trotzdem kommt weniger Licht auf den Sensor, was die Verwacklungsgefahr erhöht. Montiert man alle 3 Ringe an das 50mm, kann man nur noch die Fläche von einer ¼. Euro Münze scharf fotografieren und man berührt das Objekt beinahe. Mit 12mm ist die Fläche, in etwa so groß wie ein Analogfoto (13x10cm), mit 2 Ringen (20mm +12mm) kann man eine Münze plus Maßstab fotografieren. Dadurch wird jedes beliebige Objektiv zu einem Makro. Wer die Automatik des Objektives, wie Autofokus erhalten will, braucht Ringe, die über Kontakte diese Informationen zwischen Objektiv und Kamera übertragen, dies ist für unser Vorhaben aber unerheblich, weil wir alles manuell einstellen müssen.

Das lichtstarke 50mm ist sehr gut für Makroringe geeignet, weil Zoomobjektiven nicht so lichtstark sind und es mit ihnen öfter Probleme mit der Qualität gibt. Natürlich ist die Qualität richtiger Makroobjektive durchschnittlich besser, aber dafür zahlt man auch gleich das dreifache für einen Qualitätsabfall, der meist nur messbar, aber nicht bemerkbar ist. Meine Erfahrungen sind mit diesem Aufbau durchwegs positiv.

 

5.3 Licht

LED Ringblitz
Ein LED Ringblitz wird einerseits auf den Blitzschuh gesteckt und andererseits der Ring mit den LEDs auf das Ende des Objektives geschraubt. Dadurch ist eine optimale Ausleuchtung gewährleistet und das Objektiv selbst macht keinen Schatten ins Bild, wenn man sehr nahe an das Objekt heran geht, bzw. es gibt kaum Schatten (siehe Fotos unter 5.5 Unterlagen).

Blitz der Kamera
Leuchtet das Objekt nicht gleichmäßig aus und ist für Makrofotografie deshalb nur bedingt geeignet (große Objekte).

Sonnenlicht
Direktes Sonnenlicht wird man bei der Makrofotografie selten verwenden können, weil man sich selbst Schatten macht, aber im Schatten oder unter Wolkenhimmel ist es möglich. Leider ändern sich die Lichtverhältnisse am Himmel häufig und wer nicht die Auto-Einstellungen seiner Kamera benützt, der wird schnell merken, dass die Bilder nicht dieselbe Helligkeit haben. Um die Verzierungen der Keramik gut sichtbar zu machen, konnte ich keinen Blitz verwenden, deshalb habe ich bewölktes Wetter mit tiefstehender Sonne gewählt, dabei musste regelmäßig die Helligkeit (in unserem Fall die Belichtungsdauer) nachjustieren.

2 Walimex pro VE150
Diese 2 Lampen werden am Besten links und rechts vom Objekt positioniert, mit Filter oder ohne und blitzen synchron mit dem Kamerablitz. Sie sind sehr hell und leuchten das Objekt gut aus, leider gibt es mit zwei Lampen zwei Schatten, rechts und links, das ist nicht in jedem Fall brauchbar, mit Filtern aber reduzierbar.

 

5.4 Stativ

   

 

Velbon HE-3
Dieses einfache Stativ bietet die Möglichkeit, wie viele andere Stative auch, die Mittelsäule umgekehrt zu montieren (siehe Bild Stativ rechts), um dem Objekt nahe zu kommen. Es schwingt aber viel zu lange nach.

Manfrotto 190XPROB mit Standardkopf
Ein sehr stabiles und bezahlbares Stativ. Durch eine patentierte Eigenheit von Manfrotto kann man die Mittelsäule waagrecht montieren. Dies war der Grund für die Kaufentscheidung. Dadurch kann das Stativ nämlich auf dem Boden stehen bleiben und man fotografiert auf einem Tisch, eine sehr elegante Lösung für Makrofotografen (siehe Bild Stativ links).

 

5.5 Unterlage

Plastikunterlagen weiß und schwarz
Diese wurden bei OBI gekauft. Die Oberfläche sollte einfach zu reinigen sein, kein Muster aufweisen, eine gleichmäßige Farbe haben und nicht spiegeln. Am Besten nimmt man die Kamera mit und macht vor Ort Testfotos. Wenn die Oberfläche spiegelt und man benützt einen Blitz, dann ist das Foto fast sicher unbrauchbar. Plastikunterlagen sind leicht zu reinigen und robust, spiegeln aber meistens stärker wie Papier oder Karton.

Probleme mit LED-Rinblitz bei verschiedenen Unterlagen:

  ISO: 400, f/13, 1/100 Sek.
Unschön sind die einzelnen LEDs des Ringblitzes zu sehen, die Plexiglasscheibe reflektiert zu stark. Die Qualität der Münze selbst ist gut, es gibt keine Schatten, wäre also leicht frei zu stellen und damit brauchbar.
  ISO: 400, f/11, 1/125 Sek.
Mit mattem Filter auf dem Ringblitz verblassen die einzelnen LED ein wenig.
  ISO: 400, f/13, 1/100 Sek.
Schwarze Unterlage ohne Filterring, die einzelnen LEDs sind nicht mehr erkennbar.
  ISO: 400, f/11, 1/125 Sek.
Nur mehr der 12mm Makroring wurde montiert, auch mit Filter wird klar, Plexiglas spiegelt zu stark. Aber mit Nachbearbeitung kann man damit trotzdem zu guten Ergebnissen kommen.
  ISO: 640, f/4, 1/60 Sek.
Erst durch starke Überbelichtung mit Ringblitz und Plexiglasunterlage verschwinden die LEDs. Dies ergibt meistens keine guten Bilder und bei f/4 ist die Schärfentiefe zu gering.

 

5.6 Computer

Der Rechner sollte einigermaßen aktuell sein aber wichtiger ist, dass der Monitor eine gewisse Farbtreue hat, sonst kann es sein, dass sich die Bilder beim Druck oder auf anderen Monitoren als unbrauchbar erweisen.
Auf der Softwareseite benützen wir wenn möglich freie Software, wie Gimp oder IrfanView, aber die Nachbearbeitung ist nicht Gegenstand dieses Artikels.
Die Fotos sollten trotzdem möglichst wenig Nachbearbeitungsaufwand machen, denn einfacher, wie Fusseln aus dem Bild zu retuschieren ist es, es noch einmal zu machen.

 

5.7 Saubere Umgebung

Sollte man Plastikunterlagen benützen, kann man (besser oft wie selten) die Oberfläche mit einem Tuch reinigen, denn beim Versuch, möglichst scharfe Bilder zu machen, gerät ein Staubkorn zu einem unerwünschten Blickfang.

 

5.8 Kameraschiene

Diese ist nicht zwingend erforderlich, aber hilfreich. Die Distanz zum Objekt kann schnell und problemlos variiert werden. Weil alle wirklichen Makro-Objektive eine Fixbrennweite haben, spart man sich dadurch viel Arbeit. Noch wichtiger aber ist, dass der Winkel zwischen Objekt und Kamera sich nicht verändert, wenn die Entfernung geändert wird, damit braucht man den gewünschten Winkel bei Objekten verschiedener Größe nur einmal einstellen, insofern der Winkel derselbe sein soll.

 

6 Die wichtigsten Parameter an der Kamera

Belichtungszeit
In der Archäologie haben wir den Vorteil, dass unsere Artefakte sich nicht mehr bewegen, folglich kann man das wenige Licht durch die kleine Blende mit der Belichtungszeit wieder herein holen. Eine Belichtung kann schon mal 10 Sekunden dauern, wenn nichts wackelt, ist das egal.

ISO-Wert
Moderne Kameras können sehr lichtempfindlich sein, bis zu einigen 100.000 ISO. Bei diesen Werten leidet die Qualität aber beträchtlich, das rauschen nimmt zu. Nach meiner Erfahrung sollte man, wenn möglich, unterhalb ISO 800 bleiben, je kleiner desto besser, wenn das Bild dadurch nicht zu dunkel wird.

Weißabgleich
Die Kamera eicht die Farbtemperatur des Motives mithilfe des Weißabgleiches, damit das gesamte Bild nicht ins bläuliche oder rötliche rutscht. Sollten die Farben der Artefakte nicht stimmen, arbeitet der automatische Weißabgleich nicht ideal, dann zahlt sich ein manueller Weißabgleich aus. Dazu wird entweder ein Referenzbild erstellt, am Besten einfach mithilfe eines weißen oder grauen Blattes Papier, das als Weißabgleich fungiert (diese Option ist meist tief in den Kameramenüs vergraben), oder man kennt die Kelvin der verwendeten Lichtquelle, dies lässt sich bei den meisten Kameras manuell eintragen. Bei jeder Änderung des Lichtes muss er neu eingestellt werden.

Blende
Mit dem 50mm habe ich als kleinste mögliche Blende f16, von Beugungsunschärfe ist bei diesem Wert nichts zu merken.
Es folgen ein paar Fotos, die die Wirkung der Blende im Bezug auf die Schärfentiefe zeigen sollen. Die Fotos wurden mit dem Nikkor AF-S 50mm 1:1.4G mit 12mm Makroring gemacht.

  ISO: 400, f/1,4, 1/100 Sek., ohne Blitz
Die Keramik wölbt sich in der ca. 2,5cm nach oben.
Blende auf 1.4: das Bild ist komplett unbrauchbar aufgrund der geringen Schärfentiefe
Bei allen folgenden Fotos gibt es unerwünschte und erwünschte Schatten. Würde man die Keramik mit dem Ringblitz ablichten, wären die Verzierungen kaum sichtbar, dafür aber keine Schatten.
  ISO: 400, f/5, 1/10 Sek., ohne Blitz
Der Fokus liegt relativ nahe bei der Unterlage, der Maßstab ist schon halbwegs scharf, der obere Teil der Keramik aber noch nicht.
  ISO: 400, f/10, 1/3 Sek., ohne Blitz
Der Mittelteil der Keramik ist noch nicht ganz scharf.
  ISO: 400, f/16, 1 Sek., ohne Blitz
Die Schärfentiefe reicht jetzt, um die Keramik vollständig scharf darzustellen.

 

 7 Aufbau und Durchführung

  Auf dem Bild ist das Stativ Manfrotto 190XPROB mit der Kamera Nikon D600, dem Nikkor 50mm Objektiv mit 32mm Makroringe, der Kameraschine und Ringblitz zu sehen. Die Unterlage ist eine schwarze Plastikfolie.

Ist alles montiert, sollte man kontrollieren, ob man sich wirklich genau senkrecht über der Unterlage aufgestellt hat, leichte Abweichungen können große Auswirkungen haben. Entweder man kontrolliert die Schärfe mit einer Wasserwaage nach, oder man macht ein paar Testfotos mit flachen Objekten wie dem Maßstab und kontrolliert es nach.
Es sollte immer der Selbst- oder Fernauslöser verwendet werden, wenn man nicht mit Blitz fotografiert um die Verwacklungsgefahr zu minimieren.
Weil die Blende wegen der Schärfentiefe sehr klein (=großer Wert) sein muss, kann man alle automatischen Einstellungen vergessen. Es gibt zum Glück aber nur die vier besprochenen Werte, die wirklich wichtig sind.
Ist alles bereit, sortiert man die Funde am Besten nach Größe vor, eventuell auch nach Farbe, dann schaltet man das Objektiv auf manuell und fokussiert so, dass die Ebene der größten Schärfentiefe in etwa die halbe Höhe des Objektes hat, sollte es von vertikal oben fotografiert werden. Dann ist es nötig, ISO-Wert, Blende und Belichtungszeit so abzustimmen, dass das Bild die richtige Helligkeit hat und möglichst überall scharf ist. Ist man mit dem Ergebnis zufrieden und hat man eine große Anzahl an gleichartigen Artefakten, können dieses dann in der eingestellten Qualität abgelichtet werden. So kann man erstaunlich schnell eine große Anzahl an Funden fotografieren.

 

8 Fazit

Ich hoffe, in nächster Zukunft die teuren Nikkor Makroobjektive (60mm, 85mm, 105mm) testen zu können, um zu sehen, ob es einen Qualitätssprung zu meinem Aufbau gibt und wenn ja, wie groß er ist. Mit dem erzielten Ergebnis bin ich zufrieden. Durch die Makroringe ist man sehr flexibel und spart Geld. Es gibt noch viel zu testen, wie Balgengeräte und Wlanmodule auf der Hardwareseite oder die Fotonachbearbeitung auf der Softwareseite, dazu aber später mehr.